BIP Kreativitätsgymnasium Leipzig

Einweihung unseres PODIUMS

Die Eröffnungsfeier unseres PODIUMS, machte auf vielversprechende Weise deutlich, welche Möglichkeiten zur Präsentation und zum Austausch die neu errichtete Mehrzweckhalle unseres Schulzentrums für die Kindern und Jugendlichen der Kita, der Grundschule und des Gymnasiums bietet.

 Wir konnten unseren Geschäftsführer Alexander Mehlhorn begrüßen, und unsere Geschäftsführerin Karola Schöppe übermittelte ein herzliches Grußwort. In einem vielfältigen Programm stellten sich alle drei Einrichtungen vor. Die Feierstunde begann bereits während des Eintreffens der Gäste, nämlich mit einer Performance von Schülerinnen des Gymnasiums zu den Wurzeln von Kreativität. Ein besonderer Höhepunkt war die Einweihung des historischen Blüthner-Flügels, den die Mehlhorn-Stiftung zur Förderung musikalischer Begabungen rekonstruieren ließ. Toni Karl Lindner, Kl. 9a, weihte ihn mit der "Chaconne in d-Moll" von Händel und der "Etüde Op. 25 Nr. 9" von Chopin auf grandiose Art und Weise ein. Anschließend überraschte darauf Azuna Günther, Kl. 4, mit der "Polonaise g-Moll" von Chopin und dem "Präludium in E-Moll" von Bach. L. M. Fricke, Kl. 11, brillierte mit "Clair de Lune" von Debussy und "Ponteio" von Edu Lobo. Großen Beifall erhielt auch Loreena Kassel, Kl. 12, für ihr berührendes Tanzsolo "ONE". Die Vorschulkinder aus dem Kindergarten boten mit großer Spielfreude Szenen aus ihrem Stück "Baumi und Buschi, voll verwurzelt" dar. Schülerinnen und Schüler der Klasse 4 beeindruckten mit ihrer "Hexenküche" aus ihrem Stück "La Boutique Fantastique". Und die Schülerinnen und Schüler aus dem Profilunterricht Darstellendes Spiel der Klasse 8 boten viel Vergnügen bei der Aufführung von Szenen aus "Der eingebildete Kranke" von Molière. Die Schulchöre der Grundschule und des Gymnasiums füllten den Raum mit ihrem mitreißenden Gesang. Zum Schluss trat die Band "NoRestForTheTeens" des Gymnasiums auf und brachte die Stimmung noch einmal auf einen Höhepunkt.

Die Mehrzweckhalle bietet aber nicht nur Möglichkeiten für derartige Aufführungen in den Bereichen Musik, Theater und Tanz. Vorträge, Symposien, Tagungen, Diskussionsrunden, Workshops, Präsentationen unterschiedlichster Art werden hier stattfinden. Nicht zuletzt liefert die flexible Bestuhlung beste Voraussetzungen für eine Vielzahl von Nutzungsmöglichkeiten. In einem eingespielten Video stellte Joda Edwin Pfeiffer, Kl. 8b, die komplexe bauliche Funktionsweise der Halle vor.

Auszüge aus der Eröffnungsrede von Prof. Dr. Frank Schulz, Leiter des PODIUMS

"Im Anfang war die That. Zu dieser Einsicht kommt Dr. Heinrich Faust in der berühmten Studierzimmerszene in Goethes Tragödie. Der Gedanke ist so einfach wie universell. Faust entscheidet sich damit für die Aktivität, für das Handeln und die Schaffenskraft als Ursprung der strebenden menschlichen Natur. Damit ist zugleich das Wesen von Kreativität gekennzeichnet, die ohne Eigenaktivität überhaupt nicht denkbar ist. Mit Gerlinde und Hans-Georg Mehlhorn, den Begründern unseres Schulkonzeptes, habe ich am Ende der 1980er Jahre oft über diese Frage diskutiert. Sie beschäftigte die internationale Kreativitätspsychologie zu dieser Zeit maßgeblich: Es ging um die Eigenart der schöpferischen Kraft. Aus entsprechenden Einsichten ließ sich folgern, dass es bei der Förderung der Kreativität von Kindern und Jugendlichen vor allem auf die Entwicklung eines eigenständigen problemorientierten Denkens und Handelns ankommt. Zusammen mit zahlreichen Wissenschaftlern und Künstlern, Lehrern und Erziehern arbeiteten Gerlinde und Hans-Georg Mehlhorn bereits seit den 1970er Jahren in Leipzig an der Ausformung eines entsprechenden kreativitätspädagogischen Konzepts. Nach 1990 nahm die praktische Umsetzung dieses Konzepts zunehmend Gestalt an. Das Zitat „Im Anfang war die That!“ wurde zum Leitspruch der gemeinsamen Arbeit von Gerlinde Mehlhorn mit ihrem 2011 verstorbenen Mann Hans-Georg, wurde zum Kerngedanken ihres Verständnisses von Kreativität. Es war der Wunsch von Gerlinde Mehlhorn, dass es groß im Saal der Halle prangen soll, und zwar ausgeführt in der historischen Unger-Fraktur, in der die Erstschrift von Goethes Faust Erster Teil 1808 erschien. 

Von Anfang an gab es einen Namen für unser Projekt, einen Arbeitsbegriff, den Gerlinde Mehlhorn sehr zeitig eingebracht hatte: PODIUM. Schnell wurde klar, warum weiter nach einem Namen suchen, denn ja, genau, das war es: ein Podium, das sagt alles. Damit ist eine Plattform des geistigen Austausches gemeint, ob auf kommunikativ-diskursiver, wissenschaftlich-theoretischer oder künstlerisch-praktischer Ebene und damit genau das, was der Philosoph Moissej Kagan als Definition von kreativer Kommunikation charakterisierte. Er sprach davon – übrigens zuerst in seinen legendären Leipziger Vorlesungen –, dass es in schöpferischen Prozessen immer um die Begegnung von Bekenntnissen, um den Austausch von Positionen gehe. Das einprägsame Logo für ein solches PODIUM wurde von Prof. Dr. Steffen Wachter entwickelt. 

Im Juli 2024 begannen die ersten Arbeiten an unserer Mehrzweckhalle. Der Bau wurde mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushalts. Die Generalplanung und Bauleitung erfolgte durch die Architekten- und Ingenieurgemeinschaft Zipp+Pöschl Dresden. Am 16. April 2025 konnte Richtfest gefeiert werden. In einem reichlichen Jahr ist nun ein Gebäude entstanden, das sich durch klare Formen, anspruchsvolle Ästhetik in Einheit mit höchster Funktionalität auszeichnet. Allen daran Beteiligten, insbesondere den vielen Handwerkern, die ausschließlich aus regionalen Handwerksbetrieben stammen, ist größte Anerkennung zu zollen.

Unser PODIUM soll nunmehr die offene Sicht auf die Welt fördern, eine Sicht, die keinen vorgefertigten Denkmustern folgt, uns ganzheitlich ergreift, in unserem Fühlen, Denken und Handeln gleichermaßen."

Foto: Marie Mothes

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